Sehr geehrter Frau Köppinger,
ich danke Ihnen für Ihre Anfrage und habe Ihren Vorschlag an das Tiefbauamt weitergeleitet. Die verkehrliche Situation der Reuterstraße wir durch den Fachbereich derzeit wie folgt eingeschätzt:
Bei der Signalanlage Reuterstraße / Jagdweg handelt es sich um eine Schnittstelle zwischen Autobahn und Stadtstraßennetz. Der ungehindert fließende Verkehr der Autobahn mündet hier in das deutlich stärker und unwägbarer beeinflusste Stadtstraßennetz. Selbst bei aller mit heutigen technischen Möglichkeiten machbaren Optimierung stellen Signalanlagen eine Behinderung der vorfahrtberechtigten Straße dar, denn der Verkehr könnte ohne die Signalanlage ja frei fließen.
Die Reuterstraße weist mit 45.000 Kfz pro Tag die höchste Verkehrsbelastung aller Straßen in Bonn auf. Um diese Verkehrsbelastung bewältigen zu können, ist an den Lichtsignalanlagen der Reuterstraße eine außergewöhnlich lange Umlaufzeit geschaltet. Hierunter versteht man die Zeit, innerhalb derer alle Verkehrsteilnehmer ein mal "grün" erhalten. Die Folge der Verlängerung der Umlaufzeit sind längere Grünzeiten auf der Reuterstraße und eine funktionierende Grüne Welle, gleichzeitig jedoch längere Wartezeiten der Querrichtungen.
Eine weitere Verlängerung der Grünzeit der Reuterstraße hätte unzumutbare Wartezeiten der einmündenden Straßen zur Folge. Abgesehen davon, dass sich hier Stauungen aufbauen würden, die in der nächsten Grünzeit nicht abgebaut werden können, begrenzen die anzuwendenden Richtlinien für Lichtsignalanlagen die Länge der Umlaufzeit, da es bei weiterer Verlängerung angesichts eines vermeintlichen Defekts der Anlage in den Nebenrichtungen zu Rotlichtverstößen käme.
Das Tiefbauamt hat die Schaltung der Lichtsignalanlagen auf der Reuterstraße Mitte 2009 umfassend überarbeitet und optimiert. Die im Anschluss durchgeführten Langzeitmessungen dokumentieren ein positives Ergebnis. Vor der signaltechnischen Optimierung waren in den Verkehrsspitzenzeiten in beiden Fahrtrichtungen erhebliche Rückstauungen zu verzeichnen. Nach der Umsetzung der Änderungen hat sich diese Stausituation für beide Fahrtrichtungen deutlich entspannt. Der Verkehr fließt insgesamt flüssiger, wenn auch nicht reibungslos. Behinderungen im Verkehrsfluss durch wartepflichtige Rechtsabbieger, Ladeverkehr, Spurwechsel, Rangiervorgänge etc. sind auch zukünftig nicht vermeidbar oder kompensierbar. Betroffen ist hiervon auch die Lichtsignalanlage Reuterstraße / Jagdweg, deren möglicher Durchsatz auf der Reuterstraße durch wartepflichtige Rechtsabbieger in den Jagdweg reduziert wird.
In Fahrtrichtung Gronau ist der Knotenpunkt Reuterstraße / Hausdorffstraße als maßgebender Leistungsengpass zu werten. Die Möglichkeiten zur Leistungssteigerung sind durch die Vielzahl der zu berücksichtigenden Verkehrsbeziehungen begrenzt. Dennoch konnte auch hier der Durchsatz gesteigert werden, was zur spürbaren Verkürzung des morgendlichen Rückstaus führt. In dieser Fahrtrichtung fließt der Verkehr jedoch nach wie vor stockend, sobald die Leistungsgrenze der Zufahrt erreicht bzw. überschritten wird. Weitere Verbesserungen wären nur durch bauliche Umgestaltungen, nicht aber durch signaltechnische Eingriffe zu erreichen.
Mittlerweile ist leider zu beobachten, dass sich die zunächst dokumentierten Verbesserungen augenscheinlich abschwächen. Ursache hierfür ist die deutliche Erhöhung der Verkehrsbelastung der Reuterstraße. Offenbar haben die Verbesserungen des Verkehrsflusses dazu geführt, dass die Verkehrsteilnehmer verstärkt auf die Reuterstraße als Einfallstraße zurückgreifen. Es kommt hierdurch zwar wieder vermehrt zu Verkehrsbehinderungen, durch den erhöhten Durchsatz werden jedoch die Alternativstrecken, die vormals als Schleichweg dienten, gemieden und so entlastet.
Mit freundlichen Grüßen
