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vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor Andreas Schmidt am 18. Juli 2012
5625 Leser · 45 Stimmen (-4 / +41)

Planen und Bauen

Wohnungsmangel und horrende Mietpreise in Bonn: Wann wird dieses Problem endlich zur Priorität?

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

laut letzten Untersuchungen, werden in fünf Jahren in Bonn mehr als 4500 Mietwohnungen fehlen.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/In-Bonn-...
und http://www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de/w/files/studie...
Das Problem ist allerdings schon seit langem bekannt, jeden Monat spürt es fast jeder zweite Bonner an eigenem Geldbeutel, weil Viele nur zur Miete wohnen.

Es wird viel zu wenig gebaut, und vor allem für die Gruppe, die wenig Einkommen hat. Aber auch Mittelverdiener haben ein Riesenproblem eine bezahlbare Wohnung in Bonn zu finden.
Wer in den letzten 10 Jahren bereits versucht hat, eine bezahlbare Wohnung in normalem Zustand in Bonn zu ergattern, der kann nur bestätigen, dass Statistik diesmal recht hat und dass es vom Gefühl her bereits jetzt mehrere Tausende Mietwohnungen fehlen.

Es ist gut bekannt, dass Bonn eine Stadt von Studenten und von Ein-Person-Haushalten ist; darüber hinaus wohnen viele junge Familien in Bonn. Aus diesen Gründen sind 30-50 qm bzw. 50-80 qm große Wohnungen eine echte Mangelware.

Da das Angebot an solchen Wohnungen viel zu klein ist, sind die Mieten dementsprechend hoch: Zur Zeit zahlt man in Bonn ca. 9-15 EUR/qm Kaltmiete (!), wenn die Wohnung halbwegs renoviert ist und nicht außerhalb des Stadtgebietes liegt . Wobei Wohnungen für 9-10 EUR Kaltmiete/qm i.d.R. sofort vergriffen werden, weil die Konkurrenz unter Mietern riesig ist.

Ich selbst zum Beispiel wohne alleine und zahle für meine 40 qm große Wohnung knapp 400 EUR/Monat Kaltmiete. Inklusive aller Nebenkosten sind es um 600 EUR pro Monat, was in Bonn im "Normalbereich" liegt. Das ist aber beinahe die Hälfte von meinem monatlichen Nettoeinkommen, wobei ich als Fachkraft im Bereich der Informationstechnologie arbeite.

Es wird in der Stadtverwaltung viel über Probleme wie der Bahnhofsvorplatz oder Lärm von Kirchenglocken gestritten. Dagegen werden wirklich ernsthafte Probleme wie die Wohnungsnot und horrende Mietpreise in Bonn, die so viele Bonner immens belasten, nicht angepackt.

Herr Nimptsch, wann wird das Lösen des Wohnproblems in Bonn zur Priorität der Stadtverwaltung werden?
Wann endlich gibt es spürbare Änderungen in der Baupolitik der Stadt?
Was sind die Gründe, dass es seit so vielen Jahren nichts Ernsthaftes gegen die Wohnungsnot in Bonn unternommen wird?

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Schmidt

+37

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Antwort
von Jürgen Nimptsch am 26. September 2012
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrter Herr Schmidt,

der von Ihnen beschriebene Zustand eines angespannten und hochpreisigen Bonner Wohnungsmarktes ist durchaus zutreffend.

Stadtverwaltung und Politik befassen sich daher intensiv mit dem Thema Wohnen. Die Auswirkungen von Einwohnerwachstum und demografischem Wandel bedingen die Schaffung neuen, aber auch die nachfragegerechte Anpassung vorhandenen Wohnraums. Die Stadtverwaltung trägt die möglichen Instrumente und Optionen zusammen und die Kommunalpolitik entscheidet, ob und in welchem Umfang sie genutzt werden sollen.

Ein großes Problem ist natürlich die beschränkte Fläche der Bundesstadt Bonn, auf der alle Anforderungen an die Funktionen einer Stadt erfüllt werden müssen. Ungefähr die Hälfte der städtischen Grundfläche ist bereits bebaut. Einer weiteren Bebauung sind teilweise rechtliche Grenzen gesetzt. Aber auch nicht jede Fläche eignet sich für eine Wohnbebauung, nicht jede geeignete Fläche sollte bebaut werden. Hier sind vielfältige Interessens- und Zielkonflikte zu lösen.

Abgesehen von Erholungs- und Freizeitwert haben Freiflächen auch öko- logische Funktionen und Auswirkungen auf das Kleinklima in Bonn. Der Verzicht auf eine unreflektierte Bebauung trägt dazu bei, dass die vorhandenen Wohnqualitäten in Bonn möglichst erhalten bleiben.

Doch selbst wenn alle notwendigen Rahmenbedingungen seitens der Stadt Bonn geschaffen werden könnten, ist eine umfassende Problemlösung der angemessenen Wohnungsversorgung aller Nachfragegruppen allein durch Politik und Stadtverwaltung nicht erreichbar. Letztendlich bleibt es der Entscheidung eines jeden Investors/Investorin vorbehalten, ob und worin investiert wird. Der/die Eigentümer/-in eines bebaubaren Grundstücks muss bereit sein zu bauen oder zu Bauzwecken zu verkaufen und die betroffene Nachbarschaft muss bereit sein, die sich daraus für sie ergebenden Veränderungen zu akzeptieren.

Dies mag Ihnen verdeutlichen, dass das Thema "Wohnen" in Bonn von allen betroffenen Fachbereichen ständig beobachtet und intensiv bearbeitet wird, aber leider sind keine einfachen und schnellen Lösungen möglich.

Mit freundlichen Grüßen