Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor Johanna Bucher am 20. Juli 2010
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Gesellschaft und Soziales

UNO Park

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

Bonn verfügt über einen wunderschönen Park am Rhein, in dem das Haus Carstanien steht. Dieser Park wird von den Anliegern UNO Park genannt. Er ist Teil eines Gesamtensambles - nämlich Haus Carstanien, in dem das Klimasekretariat untergracht ist - das ja bald ausziehen soll - und den dazugehörigen Parkanlagen mit herrlichem altem Baumbestand.

Seit einigen Wochen ist zu beobachten, dass dieser Park/die Anlage durch einen riesigen Zaun, der einmal quer durch das Gelände gezogen wird, zerteilt wird.

Ich findes es ausgesprochen bedauerlich, dass dieses wunderschöne Stückchen Bonn verschandelt wird und mit diesem Sicherheitszaun seine Atmosphäre und ein grosses Stück seiner Attraktivität einbüsst. Der Charakter der Anlage verändert sich komplett. Ein Bonner Kleinod wird zerstört.

Das Anliegen "Sicherheit für UNO-Anlagen" ist sicherlich berechtigt, aber Bonn sollte nicht das Flair eines Hochsicherheitstrackt bekommen oder ausstraheln.

Die Stadt sollte alles daran setzten ihre Schönheit und Attracktivität zu erhalten und Gebäude und Anlagen unserer Stadt sollten auch von der UNO nicht zum Sperrgebiet gemacht werden (dürfen).Als Bürgerin und überzeugte Bonnerin würde ich mir wünschen, dass auch die UNO mehr Fingerspitzengefühl aufbringt.

Bürger und UNO haben bisher in friedlicher Koexistenz den Park genutzt. Warum muss dies nun, kurz vor dem Auszug des Klimasekretariats geändert werden?

MFG
J. Bucher

+45

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Antwort
von Jürgen Nimptsch am 06. Oktober 2010
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrte Frau Bucher,

Sie werfen eine Frage auf, die nicht nur bei uns in Bonn viel diskutiert wird: wie weit dürfen Sicherheitsüberlegungen die Bewegungsfreiheit von Bürgerinnen und Bürgern im öffentlichen Raum einschränken oder diesen verändern?

In der letzten Dekade wurden allerorts die Anforderungen an Sicherheitsstandards erheblich verschärft, um möglichst große Sicherheit für möglichst viele Menschen zu gewährleisten. Das hat leider auch zu Entscheidungen geführt, die von Einzelnen als einschränkend empfunden werden mögen. Ich bedauere sehr, dass Sie die Errichtung des neuen Sicherheitszaunes um Haus Carstanjen als eine solche Einschränkung sehen, möchte Sie aber bitten, auch die nachfolgenden Aspekte mit in Ihre Betrachtung einfließen zu lassen:

Seit 1996 ist Bonn Sitz von Organisationen der Vereinten Nationen. Inzwischen arbeiten rund 850 Beschäftigte im Langen Eugen und in Haus Carstanjen. Als völkerrechtliche Organisation mit Standorten in aller Welt haben die Vereinten Nationen für sich weltweite Sicherheitsstandards festgelegt, deren Mindestanforderungen jeder Standort zu erfüllen hat. Wie Sie wissen, ist der UN-Campus in Bonn (Langer Eugen) bereits seit 2006 von einem Sicherheitszaun umgeben. Bei der jetzt erfolgten Sicherungsmaßnahme am Haus Carstanjen handelt es sich um eine Maßnahme auf ausdrückliche Anforderung der Vereinten Nationen. Inzwischen ist sicher, dass Haus Carstanjen wegen des starken Anstiegs der Mitarbeiterzahlen des Klimasekretariates auch nach 2011 von den Vereinten Nationen genutzt werden wird. Deshalb müssen jetzt auch dort die Sicherheitsbedingungen an die erforderlichen und weltweit üblichen Standards angepasst werden. Vor dem Hintergrund von Ereignissen wie dem Attentat auf ein UNO-Büro in Algier im Dezember 2007 ist das auch nur zu verständlich.

Bislang bildeten die Grundstücke von Haus Carstanjen, das der Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes obliegt, und des benachbarten (städtischen) Parks eine "optische Einheit". Nunmehr trennt ein Zaun beide Liegenschaften voneinander. Bei dessen Planung wurde natürlich darauf geachtet, den alten Baumbestand nicht zu beschädigen und den Zaunverlauf so zu gestalten, dass die Öffentlichkeit den städtischen Park uneingeschränkt nutzen kann. Auch der Zugang zum Rhein ist über die Martin-Luther-King-Straße nach wie vor sichergestellt.

Ich kann zwar gut verstehen, dass sich Anliegerinnen und Anlieger erst an den Zaun gewöhnen müssen, kann Ihnen aber auch versichern: von einem "Hochsicherheitstrakt" sind wir weit entfernt. Im Gegenteil: Bonn soll weiterhin ein Ort bleiben, an dem nicht nur Sicherheitsaspekte, sondern auch ein lebenswertes Umfeld oben auf den Agenden stehen. Ich freue mich, dass Ihnen dies ebenso wie mir am Herzen liegt.

Mit freundlichen Grüßen