Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor Oliver Stark am 14. Mai 2010
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Gesellschaft und Soziales

Schwindendes Sicherheitsgefühl in Bad Godesberg

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

wir sind eine 4-köpfige Familie (Kinder 7 und 10) und wohnen in Bad Godesberg, in der Nähe der Kreuzung Zanderstraße / Albertus-Magnus-Straße. Insbesondere an der Bushaltestelle an dieser Kreuzung, aber auch in anderen Gegenden Bad Godesbergs, kommt es vermehrt zu Gewalttätigkeiten Jugendlicher aus sog. "bildungsfernen" Schichten. Uns persönlich sind in den letzten Wochen drei Fälle bekannt, in denen die Kinder von Freunden bzw. Bekannten geschlagen und beraubt wurden, ein Junge wurde dabei so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an das Theaterstück "Zwei Welten" und die dem zugrunde liegende Massenschlägerei im Godesberger Park vor ca. zwei Jahren. Ich habe mich entschlossen, diesen Brief zu schreiben, da ich nicht erleben möchte, dass meine eigenen Kinder Opfer von Gewalt werden. Allerdings ist das Gefühl, hier sei es sicher, schon lange verschwunden.

Zu diesem Gefühl trägt sicherlich auch bei, dass in dem an der genannten Kreuzung befindlichen "Kaiser´s"-Markt in den vergangenen Monaten drei (!) mal ein bewaffneter Raubüberfall ausgeübt wurde. Wo sind wir eigentlich? In der Bronx?

Wir haben inzwischen ein ungutes Gefühl, unsere Kinder z. B. zum Bäcker oder Supermarkt gehen zu lassen. Uns geht es wie vielen anderen Familien: Wir wohnen gerne hier, fühlen uns aber zunehmend nicht mehr sicher. Wenn es so weiter geht, werden wir wegziehen. Wir fragen uns deshalb, wie es weitergehen soll.

Meine konkreten Fragen:

Ist Ihnen (bzw. Ihren Mitarbeitern) die von mir geschilderte Situation der zunehmenden Gewalt in Bad Godesberg bekannt? Welche Maßnahmen werden ergriffen, um der Situation Herr zu werden?

Sind der Polizei die Jugendlichen bekannt, von denen die Gewalt ausgeht? Erfolgt eine konsequente strafrechtliche Verfolgung, soweit die Jugendlichen 14 sind? Kümmert sich ansonsten das Jugendamt um einen Dialog mit den Jugendlichen sowie deren Eltern?

Ist geplant, die von mir genannte Kreuzung rund um die Uhr zu sichern, z. B. mit Videoanlagen? (Das sporadische Vorbeifahren der Polizei bringt natürlich nichts.)

Abschließend erlaube ich mir den Hinweis, dass die hier von mir gestellten Fragen sehr viele Familien in Bad Godesberg beschäftigen und vielen langsam "die Lust vergeht", hier noch zu wohnen. Als Bürger Bonns geht es mir zunehmend auf die Nerven, mit welcher Hingabe über Themen wie "Beethovenhalle" diskutiert wird, aber das Thema Sicherheit auf den Straßen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, allenfalls unter "ferner liefen" thematisiert wird.

Mit freundlichen Grüßen und in Hoffnung auf ein Handeln der Stadt Bonn

Oliver Stark

+48

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Antwort
von Jürgen Nimptsch am 19. Juli 2010
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrter Herr Stark,

ich beobachte die Berichterstattung über die Geschehnisse mit großer Sorge. Nach meiner Auffassung besteht parteiübergreifend in der Bezirksvertretung Bad Godesberg und im Rat der Stadt Bonn Einigkeit darüber, dass die Fehlentwicklung unbedingt gestoppt werden muss. Allerdings haben wir es hier mit einer Thematik zu tun, in der die Stadtverwaltung leider über so gut wie keine direkten, sondern nur präventive Handlungsmöglichkeiten verfügt. Aufgrund der aktuellen Situation wird das Amt für Kinder, Jugend und Familie, in Absprache mit der Polizei vor Ort, zahlreiche Angebote im Bereich der Gewaltprävention in Bad Godesberger Kindertageseinrichtungen, Schulen und Jugendzentren initiieren. Der zuständige Jugendpfleger wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen und Sie über diese Angebote im Detail informieren.

Straftaten selbst können gesetzlich nur durch die Polizei verfolgt und durch Gerichte geahndet werden. Da die Anzeige von Straftaten ausschließlich bei der Polizei erfolgen, ist es für die Stadtverwaltung sehr schwierig, die Lage von Gewaltdelikten und Wohnungseinbrüchen aktuell einschätzen zu können.

Mit Schreiben vom 24.02.2010 hatte ich mich in Abstimmung mit dem Polizeipräsidenten, Herrn Wolfgang Albers, an den Innenminister des Landes NRW, Herrn Dr. Ingo Wolf, gewandt und um einen Gesprächstermin zur Thematik der öffentlichen Sicherheit in Bonn gebeten. Dieser Termin hat, unter anderem aufgrund der Landtagswahl, noch nicht stattgefunden. Nach den nun kürzlich beendeten Koalitionsverhandlungen hoffe ich nun so bald wie möglich auf einen Gesprächstermin mit dem künftigen Innenminister des Landes NRW, Herrn Ralf Jäger, und erwarte im Ergebnis eine nachhaltige Lösung und Zusage zur Eindämmung der Problematik von Seiten des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mit freundlichen Grüßen