Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor Kirsten Theisen am 02. November 2010
7449 Leser · 89 Stimmen (-8 / +81)

Bildung und Kultur

Schließung des Kindertreff Kopfstand

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Nimptsch,

Nachfolgend einige Aspekte gegen die Schließung des Kindertreff Kopfstand:
Die Kinder können unangemeldet vorbeikommen, malen, basteln, spielen, Freunde treffen. In dieser Zeit ist es möglich, dass die Eltern Termine wahrnehmen etc., z.B. Arztbesuch, Freunde treffen, mal einen Café trinken usw. Es ist auch für Eltern wichtig, dass sie sich mal eine „Auszeit“ nehmen können und etwas für sich tun. Kinder können sich beschäftigen und ihren Interessen nachgehen.
Die Kinder werden von qualifizierten pädagogischen Fachkräften betreut, manchmal auch mit Unterstützung von Praktikanten.
Es gibt auch Kinder, die selbständig vorbei kommen und spielen können („Spielhauskinder“).
Betreuung in geschützter und gesicherter Form ist gewährleistet.
Der Kindertreff wird als städtisches Spielhaus im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit geführt. Es gibt in Bonn verschiedene Angebote, in all diesen Einrichtungen (auch Spielhäusern) besteht aber eine eingeschränkte Betreuung. In den anderen Einrichtungen und Spielhäusern können die Kinder nach Belieben kommen und gehen. Im Rahmen der so genannten Inklusion, den meisten Bürgern als Integration ein Begriff, sollen Kinder aus verschiedenen Schichten miteinander Zeit verbringen. Auf diesem Wege lernen sie Kinder aus anderen kulturellen Kreisen und sozialen Schichten kennen, erwerben so Verständnis füreinander und schließen Freundschaften. Es ist wichtig, auch Randgruppen miteinander in Kontakt treten zu lassen.
Es geht im Zuge der Inklusion auch um behinderte Kinder, die eingebunden werden sollten. Sie haben die Möglichkeit, mit nicht behinderten Kindern zu spielen und ihre Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen zu erweitern. Nicht behinderte Kinder lernen den Umgang mit behinderten Kindern, die auf diese Weise Verständnis erfahren, was vielen sonst gar nicht möglich ist. Verschiedene Kinder mit einer Behinderung (Down-Syndrom, Lernbehinderung etc.) besuchen den Kindertreff sehr gerne und bauen so ihre sozialen Kompetenzen aus und können Freunde treffen und Freundschaften schließen. Diesen Kindern ist dies außerhalb nicht immer möglich, sie besuchen z.B. eine Förderschule, wo eine Inklusion nicht möglich ist. Dies trägt auch zu einem gewissen Maß an Selbständigkeit bei. Da diese Kinder eine Betreuung in einem gesicherten und geschützten Rahmen benötigen, ist diese Form der Kinderbetreuung im Kindertreff sehr zu begrüßen und weiterhin notwendig. Oft kann man solche Kinder nicht so leicht in die Gesellschaft zu integrieren. Besonders diese Kinder haben ein Anrecht auf Inklusion. Es wird immer davon gesprochen, dass dies nötig ist. Warum nicht im Kindertreff? In Bonn ist keine einzige Einrichtung in dieser Form vorhanden.
Die Kinder können durch den bestehenden Personalschlüssel gut betreut werden. Die Fallzahlen, ersichtlich aus den Listen, in die man die Kinder einträgt, sind positiv.
Im Zuge des Ausbaus des Hauses der Bildung wird bald auch die Bücherei ausgelagert werden müssen. In dieser Zeit wäre es z.B. möglich, dass die Kinder, während die Eltern die Bücherei besuchen, im Kindertreff beschäftigt werden können. Eine gute Betreuung ist stets vorhanden.
Zudem sind im Kindertreff weitere Räumlichkeiten vorhanden, die auf verschiedene Weise genutzt werden können. Dies geschieht ja auch schon, kann aber weiterhin ausgebaut werden, z.B. Workshops (Tanz-AG, Selbstbehauptungskurs für Kinder).
Immer wieder wird davon gesprochen, dass für Kinder etwas getan werden muss und sie in ihrer Entwicklung unterstützt werden sollten und ihre Fähigkeiten ausbauen müssen.
So etwas ist bisher im Kindertreff erfolgt und sollte auch weiterhin der Fall sein.
Der Kindertreff kann sein Angebot auch weiter ausbauen.
Laut Freizeitstättenbedarfsplanung 2010 soll die Offene Kinder- und Jugendarbeit nach wie vor ein wesentliches Element zur Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft darstellen und auch in Bonn ein wichtiger Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe. Es kann und sollte eine Schließung des Kindertreff „Kopfstand“ nicht erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

K. Theisen
in Zusammenarbeit mit Eltern,
deren Kinder regelmäßig
auch den Kindertreff besuchen
und gegen die Schließung sind

+73

Über diesen Beitrag kann nicht mehr abgestimmt werden, da er bereits beantwortet wurde.

Antwort
von Jürgen Nimptsch am 27. Januar 2011
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrte Frau Theisen,

ich danke Ihnen für Ihren Beitrag auf "direktzu Jürgen Nimptsch".

Die Bereitstellung von Jugend- und Freizeiteinrichtungen im Stadtgebiet Bonn gehört zu einer der wichtigen Aufgaben, die im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe von der Stadt Bonn zusammen mit freien Trägern der Jugendhilfe erfüllt werden.

Zu diesen Angeboten zählte auch lange Jahre der Kindertreff "Kopfstand", der in der Vergangenheit an unterschiedlichen, aber immer an innerstädtischen Standorten von der Stadt Bonn betrieben wurde.

Der Kindertreff "Kopfstand" bot in der Vergangenheit Kindern die Möglichkeit, sich dort mit anderen zu treffen, zu spielen und dabei eine fachliche Beaufsichtigung beanspruchen zu können. Neben einigen "Stammbesuchern" wurde der Kopfstand von Kindern besucht, deren Eltern in der Innenstadt Termine wahrnahmen oder Einkäufe erledigten. Die Kinder hielten sich damit aus anderen Gründen in dem Kindertreff auf, als Kinder, die wohnortnahe Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen besuchen. Diese sogenannten "Einkaufskinder" mussten für den Besuch des Kindertreffs einen Beitrag zahlen. Auch dies ist in originären Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen nicht üblich. Somit handelte es sich bei dem Kindertreff "Kopfstand" nicht um ein Offenes Angebot im eigentlichen Sinne.

Im Herbst 2010 hat der Rat der Stadt Bonn über die Fortschreibung des Freizeitstättenbedarfsplanes 2011 beraten. Dieser beinhaltet den Umfang und die Zahl von Jugend- und Freizeiteinrichtungen in Bonn unter Berücksichtigung vieler Faktoren.

Dazu zählt unter anderem auch das Einzugsgebiet der einzelnen Einrichtungen. Unter Berücksichtigung der an der innerstädtischen Peripherie angesiedelten Jugend- und Freizeiteinrichtungen und deren Einzugsgebiete konnte für den Kindertreff "Kopfstand" kein ausreichendes eigenes Einzugsgebiet festgestellt werden, welches das weitere Vorhalten dieser Einrichtung als offener Kindertreff rechtfertigt hätte. Dies bestätigte auch die Struktur der bisherigen Besucherschaft.

Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Stadt Bonn am 18.11.2010 im Rahmen der Fortschreibung des Freizeitstättenbedarfsplanes 2011 beschlossen, den Kindertreff "Kopfstand" zum 31.12.2010 zu schließen. Die Verwaltung hatte diesen Beschluss termingerecht auszuführen.

Wenngleich damit für einige Kinder ein lieb gewonnenes und qualitativ gutes Angebot in der Innenstadt nicht mehr zur Verfügung steht, sollte aber nicht vergessen werden, dass die Stadt Bonn trotz aller Finanznöte ein breites und solides Angebot an Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen im gesamten Stadtgebiet zusammen mit den freien Trägern der Jugendhilfe auch weiterhin aufrecht erhält.

Abschließend möchte ich noch darauf aufmerksam machen, dass bei den Überlegungen zur Ausgestaltung des Haus der Bildung auch die Schaffung einer ähnlichen Einrichtung angedacht ist, allerdings nicht im Rahmen einer sogenannten Offenen Kinder- und Jugendeinrichtung, sondern in Verbindung mit den künftigen Nutzern des Haus der Bildung.

Mit freundlichen Grüßen