Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Archiviert
Autor Kai Unkel am 21. Oktober 2014
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Gesellschaft und Soziales

Quo vadis, Bonn ?

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

ich stelle mir seit einiger Zeit folgende Frage: Wohin wollen Politik und Verwaltung die Stadt Bonn eigentlich entwickeln ?
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann man eine Strategie, erarbeiten und diese mit operativen Maßnahmen zur Erreichung der strategischen Ziele verknüpfen.
Nun bin ich optimistisch und setze voraus, dass dieses im Vorfeld der Erarbeitung der Sparvorschläge erfolgte und diese Strategie auch grundsätzlich Basis für das Handeln der Verwaltung war, ist und sein wird.
Schaue ich mir nun die Sparvorschläge und andere Handlungen der Verwaltung an, komme ich zu dem Schluss, dass die Strategie der Stadt Bonn darin besteht, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich wohlhabende Rentner mit Interesse an Kultur (die aber nicht zu laut sein darf) wohlfühlen sollen.
Was bringt mich zu diesem Gedanken ?
- Zuschüsse zu den OGS werden gesenkt, so dass z.B. die für berufstätige Eltern wichtige Ferienbetreuung gefährdet sein wird.
-Freibäder sollen geschlossen werden, Hallenbäder wie das Frankenbad werden aber luxus-saniert (besser für Rentner als für Familien, die sich gerne im Freibad tummeln - aber da ist es ja laut und das ist zunehmend unerwünscht)
- Das Angebot der Oper bleibt für eine Stadt der Größe Bonns überdurchschnittlich.
-Verwaltung zuckt vor zwei offenbar sehr lärm empfindlichen Bürgern zurück und opfert die für einen breiten Teil der Bevölkerung sehr attraktiven Klangwelten - obwohl diese mit Sicherheit mehr Publikum außerhalb Bonns angezogen haben und damit für Gastronomie interessanter sind als die Oper. Die gerichtliche Auseinandersetzung wird nicht gesucht, obwohl diese nach Ansicht zahlreicher Fachleute - auch aus der Landespolitik- Aussicht auf Erfolg hat.
- Überhaupt wird jede Beschwerde von überdurchschnittlich lärmempfindlichen Mitbürgern wohlwollend bewertet, so dass wohl auch der Kunstrasen bald sein Ende finden wird - aber das ist ja auch eher was für die jüngeren Mitbürger.
-Städtische Sportstätten, die insbesondere der Jugend zu Gute kommen, werden vernachlässigt oder sollen reduziert werden.
-Die Vergabe von Kitaplätzen gleicht einer Lotterie, ähnlich ist bei den OGS-Plätzen (so denn es dieses künftig überhaupt noch gibt), man erhält die Mitteilung dazu im Frühsommer, das macht die Planung mit dem Arbeitgeber für den Schuljahresbeginn nicht leicht.
-Altentreffs für ältere Mitbürger, deren monatliches Budget eher gering bemessen ist und denen dort ein Freizeitangebot zur Verfügung stand mit regelmäßigen Treffs und Ausflügen, werden geschlossen (z.B. am Blumenhof). Sollen sie doch zukünftig in die Oper gehen. Ach dazu haben sie kein Geld, das ist aber schade.

Wenn ich mir diese Themen betrachte und nicht davon ausgehe, dass einfach ohne jede langfristige Strategie ziellos unkordinierte Sparvorschläge gemacht wurden, bleibt für mich nur die Schlussfolgerung:
Die Stadt Bonn richtet ihr zukünftiges Angebot konsequent auf wohlhabende, ältere und lärmempfindliche Mitbürger aus. Junge Leute, Familien mit Kindern und ältere Mitbürger mit knappen Budget mögen bitte in die umliegenden Gemeinde ziehen.
Ich gehe davon aus, dass die Stadt diese Strategie in nächster Zeit weiter verdeutlichen und inbesondere auch den ansässigen Unternehmen transparent machen wird. Diese können dann ihren zukünftigen, jüngeren Mitabeitern im Einstellungsprozess den Rat geben, doch nach Köln zu ziehen, wenn sie mehr als Friedhofsruhe von einer Stadt erwarten. Junge Familien können dahingehend beraten werden, besser in die umliegenden Gemeinden zu ziehen, wo es OGS- und Kitplätze gibt und die Grundsteuer auch niedriger ist.

Nicht ganz einordnen kann ich das Vorgehen der Stadt beim WCCB - aber hier ist man wohl mehr getrieben als strategisch handelnd - das dort versenkte städtische Geld fehlt aber überall.

Mit freundlichen Grüßen

Kai Unkel

Bonner Bürger seit 2005 und zunehmend entsetzt

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