Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor F. Gerstgrasser am 24. Februar 2014
3674 Leser · 8 Stimmen (-1 / +7)

Planen und Bauen

Johanniterviertel: Einkaufen nur mit dem Auto dank FNP?

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

Ich bin seit 14 Jahren im Johanniterrviertel ( rund um das Johanniter-Krankenhaus) wohnhaft. Eine sehr angenehme Wohnsituation, keine Frage. Jedoch für jedes Stück Butter muss man ins Auto steigen. Das kann nicht im Sinne einer Verkehrsvermeidung sein. Rund herum entstehen immer neue Gebäude, die meisten Büro- oder Wohnhäuser. Könnte man nicht mithilfe des Flächennutzungsplan oder gar mit stadteigenen Grundstücken hier Einfluß nehmen um auch Hier Einzelhandel anzusiedeln ? Die vielen Angestellten dürften das sonst vielleicht eher magere Einzugsgebiet auch für Einzelhandelsunternehmen attraktiv machen. Es besteht m.E. sonst die Gefahr einer Bürowüste.

Mit freundlichen Grüßeni

Franz Gerstgrasser

+6

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Antwort
von Jürgen Nimptsch am 15. April 2014
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrter Herr Gerstgrasser,

Ihr Anliegen, ein Nahversorgungsangebot im Johanniterviertel zu haben, ist sehr gut nachvollziehbar.

In der Vergangenheit hat es bereits mehrfach Initiativen zur Schaffung eines Nahversorgungsangebots im Johanniterviertel bzw. in der unmittelbaren Umgebung gegeben, so beispielsweise in der Friedrich-Ebert-Alle, Ecke Zitelmannstraße, oder aber auch im Bonn-Center. Auch im Bereich des WCCB war ursprünglich eine Ladenzeile geplant, die jedoch nicht auf Nachfrage gestoßen ist. Solche Ansätze sind aus verschiedenen Gründen, u.a. auch an den Preiserwartungen der Grundstückseigentümer, gescheitert. Städtische Liegenschaften, die für die Ansiedlung eines Nahversorgers genutzt werden könnten, stehen an geeigneten Standorten im Johanniterviertel nicht zur Verfügung.

Gutachterlich wurde im Rahmen der Erstellung des Bonner Einzelhandels- und Zentrenkonzepts von 2008 am Beispiel des Johanniterviertels deutlich gemacht, dass eine hohe Arbeitsplatzdichte bei geringer Einwohnerzahl keine hinreichende volkswirtschaftliche Grundlage für einen Einzelhandelsstandort darstellt; gute Lagen an Durchgangsstraßen könnten zwar eine Tragfähigkeit bieten, der Umsatz würde jedoch dem Handel in den Zentren entzogen. Derartige Standorte stellen somit ein Risiko für die Ortsteilzentren dar.

Im Rahmen der 160. Flächennutzungsplanänderung gab es bereits eine Anregung aus der Bürgerschaft, im Flächennutzungsplan im Ortsteil Gronau Einzelhandel darzustellen. Dies wurde am 14.07.2011 (vgl. DS 1013600) aus Gründen des Zentrenschutzes abgelehnt. Darüber hinaus wäre der Flächennutzungsplan kein geeignetes Instrument, um die Ansiedlung eines Nahversorgers zu erwirken. Der Flächennutzungsplan stellt die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung einer Gemeinde in den Grundzügen dar. Daraus leitet sich (noch) kein Baurecht ab und erst recht kein konkretes Vorhaben. Eine Flächennutzungsplanausweisung wäre insofern nicht zielführend.

Die Bemühungen der Verwaltung, in den Ortsteilen, die keine Nahversorgung aufweisen, Betreiber für Lebensmittelsupermärkte oder Discounter zu einer Ansiedlung zu motivieren, sind bislang entweder am Desinteresse des Handels wegen zu geringer Mantelbevölkerung, an fehlenden geeigneten Grundstücken oder auch an der mangelnden Bereitschaft von Grundstückseigentümern bzw. Ladenbetreibern gescheitert.

Im Vergleich zu anderen Ortsteilen mit einer ähnlich geringen Einwohnerzahl, deren Nahversorgung weggebrochen ist, ist die Versorgung im Johanniterviertel nicht als gut, aber immerhin noch als akzeptabel zu beurteilen. Die Supermärkte in den Ortskernen Dottendorf bzw. Kessenich sowie der Standort Kaisers in der Karl-Barth-Straße können zwar nicht als unmittelbar fußläufig erreichbar bezeichnet werden, sie sind jedoch zumindest mit dem Fahrrad in 1-1,5 km Entfernung durchaus noch ohne PKW erreichbar.

Ich bedauere, Ihnen keine positivere Antwort geben zu können.

Mit freundlichen Grüßen