Liebe Nutzerinnen und Nutzer von „direktzu Jürgen Nimptsch“,

vielen Dank für die rege Beteiligung auf diesem Portal in den vergangenen Jahren. Die Stadt Bonn wird in Kürze eine eigene Bürgerbeteiligungsplattform einrichten, auf der Sie dann eine vergleichbare Möglichkeit haben werden, Fragen an den Oberbürgermeister zu richten. Das Portal „direktzu Jürgen Nimptsch“ wurde Anfang November 2014 geschlossen. Ich freue mich ab dem 07. Januar 2015 auf Ihren Besuch bei „Frag den OB“ unter www.bonn.de.

Herzliche Grüße

Jürgen Nimptsch

Beantwortet
Autor F. W. am 06. Januar 2010
9863 Leser · 42 Stimmen (-13 / +29)

Mobilität und Verkehr

Ampelschaltung Bonn

Sehr geehrter Herr Nimptsch,

ich bin im Oktober der Stadt Bonn zugezogen und erfreue mich an der Innenstadt, die sehr gepflegt scheint. Der Weg in Richtung Innenstadt jedoch ist geprägt von Stillstand an unzähligen Ampeln.
Die Ampelschaltung scheint eine willkürliche zu sein, nicht in Reihe.
So kann es passieren, dass ich 50m vor der nächsten Ampel anfahre, damit die Umwelt belaste um an der nächsten Ampel wieder stehen zu bleiben, zu warten um dann erneut anzufahren. Das ist im Bereich der Umweltzone kontraproduktiv.
Es wäre wünschenswert die Schaltungen zu überdenken. Vielleicht kann so der tägliche lange Stau verringert werden.

Mit freundlichen Grüßen
F.Wader

+16

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Antwort
von Jürgen Nimptsch am 17. Februar 2010
Jürgen Nimptsch

Sehr geehrter Herr Wader,

auf Hauptverkehrsstraßen wie beispielsweise B9, Reuterstraße, Adenauerallee oder Hermann-Wandersleb-Ring kommt in Bonn im Regelfall eine „Grüne-Welle-Schaltung“ zum Einsatz.

Ursprünglich bedeutete „Grüne Welle“, dass die Ampelanlagen eines Straßenzugs in einem unveränderlichen Ablauf ohne jede Beeinflussung durch den Verkehr geschaltet werden. Vorteil dieser Schaltung ist, dass die Fahrtrichtung, für die eine grüne Welle optimiert ist, sehr leistungsfähig wird. Der Nachteil ist jedoch die geringe Flexibilität. Die Wartezeiten in den Querstraßen sind auch dann lang, wenn auf der Hauptrichtung kein starker Verkehr fließt. Zudem ergibt sich der Effekt, dass die Querstraße auch dann „grün“ erhält, wenn dort gar kein Fahrzeug- oder Fußgängerverkehr wartet.

Zur Vermeidung dieser unnötigen Zeitverluste ist die Stadt Bonn schon vor Jahren dazu übergegangen Induktionsschleifen in die Fahrbahnen einzulassen. Durch die Induktionsschleifen können die Verkehrsmengen in mehr oder minder großem Umfang erfasst und unmittelbar Einfluss auf die Schaltung der Ampelanlage nehmen. Diese sogenannten verkehrsabhängigen Schaltungen setzen wir in Bonn nach zwei Prinzipien ein:

Zum einen gibt es Schaltungen, die auf den Hauptverkehrsachsen mit „Grüner Welle“ ausgerichtet sind. Die Stadt Bonn setzt aber auch Schaltungen ein, die vollständig verkehrsabhängig sind. Dies bedeutet, dass die Grünzeiten je nach Verkehrsaufkommen völlig frei auf die Zufahrten einer Kreuzung verteilt werden. Diese äußerst flexible Art der Schaltung führt bei geeigneten Kreuzungen dazu, dass die Wartezeiten aller Verkehrsteilnehmer in der Summe erheblich reduziert werden. Der negative Nebeneffekt ist hier aber, dass die koordinierte Schaltung aufeinanderfolgender Ampelanlagen im Sinne einer „Grünen Welle“ leider nicht mehr gewährleistet werden kann. So wie Sie es erlebt haben, fährt der Autofahrer unter diesen Umständen dann „von rot zu rot“. Um die negativen Nebeneffekte zu vermeiden, setzt die Stadt Bonn aus diesem Grund diese Art der Schaltung nur nach sehr differenzierter Prüfung vor allem in verkehrsschwachen Zeiten oder bei Ampelanlagen außerhalb des Hauptstraßennetzes ein.

Eine weitere Einflussgröße bei der Schaltung der Ampelanlagen in Bonn ist die Beschleunigung des ÖPNV. Entsprechend ausgestattete Ampelanlagen können die Busse und Bahnen des ÖPNV gezielt erfassen. Mit Hilfe bevorzugter Schaltungen wird dann dafür gesorgt, dass die ÖPNV-Fahrzeuge nach Möglichkeit ohne
Zwischenhalt fahren können. Im Ergebnis wird allerdings die Grünzeit der anderen Zufahrten entsprechend gekürzt oder verschoben, was dazu führt, dass eine „Grüne Welle“ für diese Richtungen nicht mehr gewährleistet werden kann. Gerade in der Innenstadt nimmt man dies im Interesse einer möglichst leistungsfähigen Abwicklung des ÖPNV-Verkehrs jedoch in Kauf.

Aus den Erläuterungen wird erkennbar, dass bei der Schaltung von Ampelanlagen stets Kompromisse einzugehen sind, da man den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer nicht zeitgleich gerecht werden kann. Es ist zu bedenken, dass in Bonn im Gegensatz zu vielen anderen Städten Flächenstaus nahezu unbekannt sind, was nicht zuletzt auf die flexiblen Ampelschaltungen zurückzuführen ist.

Selbstverständlich wird weiterhin alles getan, um die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes unter Beibehaltung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer aufrechtzuerhalten und im Zuge der technischen Weiterentwicklungen zu optimieren. Insbesondere für die innenstadtbezogenen Hauptachsen wird eine Optimierung der Ampelschaltungen sukzessive erfolgen.

Sollten Sie Fragen zu ortspezifischen Installationen haben, nimmt das Tiefbauamt der Stadt Bonn ( Internetauftritt http://www.bonn.de/umwelt_gesundheit_planen_bauen_wohnen/...) Anregungen und Hinweise jederzeit entgegen und steht Ihnen für einen persönlichen Kontakt gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen